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Jogini Frauenhaus

Prävention Kinderhandel
Usthi lancierte anfangs 2017 ein neues Projekt gegen Kinderhandel. Mit einer neuen Familiengemeinschaft, dem Jogini Frauenhaus, wurde ein sicheres Zuhause für Mädchen und junge Frauen geschaffen, die sexuellem Missbrauch und Sklaverei entfliehen konnten. Im bereits bestehenden Projekt gegen Kinderhandel in Medchal wohnen seit Beginn des Jahres 10 ehemalige Tempelsklavinnen. Neu wohnen neben 30 Kindern und Jugendlichen auch 10 ehemalige Joginis.
 
Joginis sind Mädchen und Frauen, die mit Yellamma, der Gottheit der Erde und der Fruchtbarkeit, verheiratet werden und fortan in deren heiligen Tempel dienen. Die Mädchen werden oft im Kindesalter von ihren Eltern an die Tempel gegeben, in der Hoffnung Unheil abzuschirmen und das Schicksal der Familie positiv zu beeinflussen. Diese Mädchen entscheiden sich nicht für das Dienen im Tempel, es wird ihnen aufgezwungen. Sie sind faktisch Sklavinnen des Yellamma-Tempel und der Willkür der Gesellschaft ausgesetzt. 90% der Joginis sind Dalits, die unter- und ausserhalb des Kastensystems stehen und bis heute stark diskriminiert sind.
 
Den Joginis werden heilige Kräfte nachgesagt. Sie sind fähig, Unheil im Haushalt abzuschirmen und das Schicksal der Gemeinschaft in die richtigen Bahnen zu lenken. Viele sind bis heute davon überzeugt, dass negative Energien durch sexuellen Kontakt mit den Joginis abgewendet werden können. Joginis müssen allen Männern, die mit ihnen schlafen möchten, zur Verfügung stehen und sind Opfer massiver sexueller Ausbeutung und von Missbrauch.
 
Gleichzeitig sind auch ihre Kinder Opfer dieser Machtstrukturen. Als geweihte Tempelsklavin, die sich nicht mit Männern verheiraten darf, haben Joginis keinen gesellschaftlichen Status ausserhalb der Tempel. Kinder werden verleugnet und von der Gesellschaft nicht anerkannt. Joginis sind sie nicht in der Lage für die unehelichen Kinder zu sorgen. Die Kinder werden aus Not weggegeben oder verkauft. Ihr Schicksal ist ungewiss.
 
Heute beläuft sich Schätzungen auf eine Viertelmillion Joginis in Indien. Durch Selbsthilfegruppen haben wir direkten Kontakt zu diesen Frauen. Die Nachfrage ist gross - im Frühling 2017 könnten wir sofort 60 Joginis aufnehmen, die der Tempelsklaverei entfliehen möchten. Doch bedauerlicherweise fehlt uns zurzeit die nötige Infrastruktur. Wir planen in naher Zukunft den Ausbau unseres Campus in Medchal. Platz ist genügend vorhanden, doch fehlen uns die Ressourcen für den Bau.
 
Unterstützen Sie uns, mehr Tempelsklavinnen zu befreien!